Das Bewertungssystem Nachhaltiger Kleinwohnhausbau (BNK) wurde nach einer dreijährigen Entwicklungszeit und Erstanwendungsphase vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) veröffentlicht.

 

Hintergrund

Mit der Einführung von Gütesiegeln zur Bewertung und Zertifizierung der nachhaltigen Gebäudequalität, wurde in den letzten Jahren ein zukunftsweisender Ansatz zur Förderung der Nachhaltigkeit im Bauwesen geschaffen. Zur Beurteilung stehen heutzutage zahlreiche Methoden auf nationaler und internationaler Ebene zur Verfügung. Bereits in den 90er Jahren wurden in Großbritannien und in den USA Nachhaltigkeitsinstrumente, wie das britische System BREEAM oder das amerikanische Label LEED entwickelt. In Deutschland wurden im Jahr 2009 mit dem DGNB Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen und dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des ehemaligen Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) (heute Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit - BMUB) Instrumente auf den Markt gebracht, die im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden nicht nur schwerpunktmäßig die Ökologie und Energieeffizienz von Gebäuden bewerten, sondern einen neuen ganzheitlichen Bewertungsansatz verfolgen. Hierbei werden zusätzlich soziale, funktionale, wirtschaftliche, technische, ebenso wie prozess- und standortspezifische Kriterien eines Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus einbezogen, d.h. von der Herstellung, der Planung und der Konstruktion über den Betrieb bis hin zum Abriss.

Der Schwerpunkt der Bewertungssysteme lag bisher in Deutschland vorrangig nur auf Gebäudetypologien, wie Bürobauten, Schulen, Industriebauten oder größeren Wohnungsbauten (Mehrfamilienwohnhäuser ab sechs Wohneinheiten). Ein- bis Fünfamilienhäuser wurden hierbei bislang nicht ausreichend berücksichtigt, obwohl diese mit derzeit ca. 80 Prozent einen hohen Anteil am gesamten Neubauvolumen des Wohngebäudebereichs einnehmen (Statistisches Bundesamt 2014).

 

Nachhaltige Wohngebäude weltweit

Im Ausland spielt die Nachhaltigkeitsbewertung von Wohngebäuden schon länger eine bedeutende Rolle. Mit dem britischen Label BREEAM wurden bislang bereits ca. 500.000 Wohneinheiten bewertet. Die hohe Zahl an Zertifizierungen mit dem BREEAM Kriterienkatalog „Code for Sustainable Homes“ kommt daher, dass die britische Regierung bereits 2008 die Bewertung von Wohnungen gesetzlich verankert hat und es somit für alle Bauherren ähnlich dem Energieausweis verpflichtend wurde. Auch beim amerikanischen System LEED oder beim Schweizer Label Minergie steigen die Zahlen der Zertifizierungen im Wohnungsbau kontinuierlich. In Deutschland wurde zur Förderung der Nachhaltigkeitsqualität im Wohnungsbau das Qualitätssiegel Nachhaltiger Wohnungsbau (NaWoh) mit Unterstützung des BMVBS entwickelt. Seit 2011 erhielten 12 Projekte ein NaWoh Zertifikat. Allerdings ist das Gütesiegel nur für Wohngebäude ab sechs Wohneinheiten anwendbar (Verein zur Förderung der Nachhaltigkeit im Wohnungsbau 2015).

 

Startschuss zur Systementwicklung in Deutschland

Diesem Thema haben sich im Jahr 2012 die Hochschule München und das Ingenieurbüro Prof. Dr. Gerd Hauser im Rahmen eines Forschungsprojekts angenommen. Das Forschungsprojekt wurde durch Unterstützung der Stiftung „Forschung im Siedlungs- und Wohnungswesen“ durch das Fachgebiet Bauklimatik der Hochschule München von Prof. Dr. Natalie Eßig in Kooperation mit der Bau- und Immobilienwirtschaft entwickelt und durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wissenschaftlich unterstützt. Im Rahmen dieses Projektes wurde zunächst ein Kriterienkatalog für Kleinwohnhausbauten entworfen. Der Kriterienkatalog wurde mit Unterstützung zahlreicher Akteure aus Forschung, Politik und Praxis weiterentwickelt und anschließend in einer umfangreichen Pilotphase 2014/2015 am Markt erprobt. Zu nennen sind hier Verbände des Wohnungsbauwesen, private Bauherren, Architekten, Ingenieure, Bauträger und auch die Bauindustrie (Fertigbau / Massivbau). Durch die Systemerprobung wurde sowohl die Anwendungstauglichkeit, als auch  der notwendige personelle und finanzielle Aufwand der Bewertungsmethode in  der Praxis überprüft. Dabei wurden 19 Ein- und Zweifamilienhäuser, welche in der Planungs- und Bauphase standen oder kürzlich fertiggestellt wurden, mit  den Nachhaltigkeitskriterien der Bewertungsmethode bewertet. Die ersten Nachhaltigkeitszertifikate der Pilotphase wurden vom BMUB an die Teilnehmer im Rahmen der Messe "Bau 2015" sowie im November 2015 am "Runden Tisch Nachhaltiges Bauen in Berlin" verliehen.

 

Markteinführung des Bewertungssystems Nachhaltiger Kleinwohnhausbau (BNK)

Das BNK-System wurde am 23. Juni 2015 offiziell vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) als anerkanntes System des Bundes auf der offiziellen Website des BMUB zum Thema "Nachhaltiges Bauen" veröffentlicht.

Die Markteinführung des BNK-Systems wird zu einer weiteren Verbesserung der ganzheitlichen Nachhaltigkeit von Kleinwohnhausbauten in Deutschland beitragen und die Transparenz für Bauherren und Käufer von Häusern erhöhen. Hersteller, Bauherren und Käufer können durch das BNK-System die nachhaltige Gebäudequalität ihrer Eigenheime von unabhängiger Seite prüfen und zertifizieren lassen. Zahlreiche Hersteller können zudem die hohe Qualität Ihrer Eigenheime von unabhängiger Seite bestätigen lassen.

Das BNK-System stellt seitdem den nationalen Qualitätsstandard für die Nachhaltigkeit von kleinen Wohngebäuden (bis zu 5 Wohneinheiten) in Deutschland dar.

 

KfW-Förderung von Nachhaltigen Wohngebäuden in Deutschland seit 1. April 2016

Um die Nachhaltigkeit von Wohngebäuden zukünftig umfassend zu fördern, plant die KfW-Bank ab April 2016 die Zertifizierung von nachhaltigen Wohngebäuden in Deutschland inein KfW-Programm aufzunehmen. Die entstehenden Zusatzkosten durch eine Nachhaltigkeitszertifizierung werden dadurch bis zu 50 % von der KfW-Bank erstattet (max. 4000 €). Merh Informationen finden Sie auf der KfW-Website.